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14.03.2017

Kirche im Grünen

In Frankfurt-Höchst wächst um eine Weidenkirche ein Abenteuergelände für Familien

Die Kirche im Grünen lädt Familien mit Kindern ein, Kirche neu zu entdecken. Fotos: C.Mann/Bistum Limburg.

FRANKFURT.- "Gleich bin ich weg", ruft Jonathan. Der 10-Jährige ist mit anderen Kindern auf dem Gelände der "Kirche im Grünen" in Höchst auf einen Berg geschnittener Weiden geklettert. Meterhoch türmt der sich. Jonathan duckt sich und verschwindet für einen Augenblick im grünen Gewirr. Dann taucht sein Kopf wieder auf. Er grinst gut gelaunt.

Abenteuer erleben - im Glauben und in der Natur. Darum geht es bei dem Projekt für Familien im Pastoralen Raum Höchst. Seit 2014 tüftelt ein Team von Engagierten an der Idee, auf dem Gelände einer alten Gärtnerei ein offenes Familienzentrum aufzubauen - einen Ort, an dem Gemeinschaft gelebt und Kirche auf neue Art und Weise erfahrbar werden soll. Zwei Jahre später rückten Helfer aus den Kirchenorten des Pastoralen Raumes Höchst, Sossenheim, Zeilsheim, Sindlingen und Unterliederbach zu Arbeitseinsätzen an, verteilten Schotter, legten Wege an, renovierten ein altes Kesselhaus oder pflanzten Setzlinge. Fertig sei man noch lange nicht, erklärt Stefan Hecktor. "Wir wollen das auch nicht fertig machen. Es soll sich auch noch etwas entwickeln können."

8.000 Quadratmeter für Kinder und deren Eltern

Stefan Hecktor hat das Projekt möglich gemacht. Der Gärtner, der sich in einer zehnköpfigen Steuerungsgruppe engagiert, hatte der künftigen Pfarrei neuen Typs St. Margareta das Gelände zur Verfügung gestellt. Seit 50 Jahren gebe es die Familiengärtnerei bereits, erzählt Hecktor. Doch als Hasen wieder einmal seine Sonnenblumen wegfraßen, hatte er genug. Heute gibt es auf dem 8.000 Quadratmeter großen Gelände neben Gewächshäusern eine Spielwiese mit Feuerstelle und Riesentrampolin, ein kleines Wäldchen mit geschlängelten Wegen und eine Streuobstwiese. "Es ist sehr verwildert und urig. Ein richtiges Abenteuergelände für Kinder", findet er.

Doch das Zentrum der "Kirche im Grünen" ist die Weidenkirche - die erste in Frankfurt überhaupt. Viel erkennen kann man davon noch nicht, doch im Frühling werden die zurechtgeschnitten alten Weiden wieder austreiben. Aus den Weidenzweigen soll mit den Jahren dann das Dach der 4x2 Meter großen "Kirche" geflochten werden. Ein kleiner Altar mit der aufgeschlagenen Bibel und ein mit Fingerabdrücken gestaltetes Kreuz sind schon da. "Jesus lädt alle Menschen ein und für uns ist es ganz wichtig, dass jeder vorbeikommen kann. Ob getauft oder nicht - das ist egal. Alle sind eingeladen, Gemeinschaft "unter dem Kreuz" zu erleben", sagt Hecktor.

Bild für das Zusammenwachsen einer neuen Pfarrei

Die erste Saison der Kirche im Grünen geht mit einem Herbstfest zu Ende. Ein Familienvater hat das Feuer angezündet, einige Kinder stehen herum und schauen in die Flammen, die mutigsten unter ihnen legen Holz nach. In einem Topf köchelt später eine Kürbissuppe, am Tisch basteln Kinder mit ihren Eltern aus gesammelten Blättern, Blumen und Holz ein buntes Glas. "Das ist schön", flüstert ein Kind seiner Mutter zu. "Der Pastorale Raum Frankfurt-Höchst befindet sich im Pfarreiwerdungsprozess. Im Jahr 2018 wollen wir eine Pfarrei sein. Das Abenteuergelände ist als Synonym für diesen Prozess zu sehen", findet Stefan Hecktor. Vieles müsse noch wachsen, Ideen müssten sprießen. "Hier kann man den Pfarreiwerdungsprozess noch üben - Hier ist einiges für die Pfarrei St. Margareta am Wachsen."(clm)

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