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05.02.2017

Kirche darf nicht um sich selbst kreisen

Sechs Gemeinden bilden Pfarrei St. Martin Idsteiner Land

Domkapitular Wolfgang Rösch verliest die Gründungsurkunde der neuen Pfarrei und setzt Kirsten Brast als Pfarrer ein. Im Halbkreis stehen Mitglieder des Pfarrgemeinderates. Fotos: Reichwein/Bistum Limburg

IDSTEIN. – „Wir werden die Zukunft der Kirche nicht retten, wenn sie um sich selbst kreist!“ Das hat Generalvikar Wolfgang Rösch beim Gründungsgottesdienst der neuen Pfarrei St. Martin Idsteiner Land betont. Nur wenn die Kirche ihre dienende Funktion wahrnehme und den Menschen helfe, eine Beziehung zu Christus zu finden, „hat das alles hier einen Sinn.“ Sonst sei es Folklore, sagte er am Sonntag, 5. Februar, in der Pfarrkirche St. Martin. Ein Projektchor mit Musikern aus allen sechs Kirchorten unter Leitung von Kantor Franz Fink gestaltete den festlichen Gottesdienst musikalisch. 

Salz der Erde sein

In einer Zeit der weitgreifenden Umbrüche sei das Lebensgefühl vieler Menschen bei gleichzeitigem großen Wohlstand von Verunsicherung und Angst geprägt, sagte Domkapitular Rösch in seiner Predigt. Gefühlt werde alles immer schwieriger, lösten sich Sicherheiten auf. Die Bibel schreibe den Menschen aber etwas anderes ins Stammbuch: Die Mahnung, den Nächsten und seine Not wahrzunehmen und nicht klein von sich selbst zu denken. Eindringlich warnte er vor einer strukturkonservativen Haltung, die alles festhalten wolle, „was wir mal hatten". Als Beispiel dafür nannte er "die Macht über das Gewissen der Menschen." Dafür aber sei die Kirche nicht da. Die Gläubigen forderte Rösch auf, „Salz der Erde“ zu sein, „das in Wunden brennen kann und den Dingen den rechten Geschmack gibt“.

Pfarrgemeinderat mit Leidenschaft

Zur Verlesung der Gründungsurkunde der Pfarrei und der Übergabe an den neu eingesetzten Pfarrer Kirsten Brast bildeten Mitglieder aus dem Pfarrgemeinderat einen großen Halbkreis am Altar. Das Neue könne nicht gelingen ohne einen „Pfarrgemeinderat mit Leidenschaft“, sagte Rösch. Nach einem Weg, der viel Mühe und Zuwendung erfordert habe, sei in der Atmosphäre der Feier spürbar, „dass eine Last abgefallen ist“. Das Bild des Weges hatte bereits Pfarrer Brast bei seiner Begrüßung zu Beginn des Gottesdienstes aufgegriffen. Nach fast genau drei Jahren des Beratens und Diskutierens bildeten jetzt sechs Gemeinden mit ihren Eigenheiten und unterschiedlichen Prägungen eine gemeinsame Pfarrei, die bunt und lebendig sei. Als symbolisches Zeichen für Vielfalt und Gemeinsamkeit waren sechs Kerzen mit dem Logo der neuen Pfarrei  vor dem Ambo aufgestellt, die bei den Fürbitten entzündet wurden.

Mit Gottvertrauen Zukunft wagen

„Sehr erleichtert“ zeigte sich nach dem gelungenen Gottesdienst die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Patricia Goldstein-Egger, die ein herzliches Dankeswort an alle Beteiligten richtete. Auch sie sprach noch einmal den langen Weg bis hierher an: Leicht sei er nicht gewesen, merkte sie ehrlich an, sondern wie im Taunus üblich: mit Aufstiegen, Abstiegen und Umwegen. „Kirche hat sich immer verändert und wird es immer tun“, sagte sie mit Blick auf die Menschen, die mit Angst und Sorge in die Zukunft schauten. Jetzt gelte es, gemeinsam und mit Gottvertrauen die Zukunft zu wagen“. Aufgabe der Christen von St. Martin sei es, „unseren lebendigen Glauben zu zeigen“: Nur darauf komme es an. (rei)

Zum 1. Januar ist aus den sechs Gemeinden St. Martha Engenhahn, Maria Königin Niedernhausen, St. Martin Idstein, St. Michael Oberjosbach, St. Nikolaus von Flüe, Idstein-Wörsdorf/Hünstetten und St. Thomas Waldems die neue Pfarrei entstanden.

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