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27.09.2017

„Die Kirchengemeinden sind Taktgeber“

Bistum unterstützt Pfarreien bei Erfassung kirchlicher Immobilien

Auch der Zustand von Kirchengebäuden wird in dem Projekt genau dokumentiert. Foto: Bistum Limburg.

LIMBURG.- Kirchen, Gemeindehäuser, Pfarrhäuser und Kindertagesstätten: Die Kirchengemeinden im Bistum Limburg verfügen über einen Bestand von insgesamt rund 1440 Gebäuden. Um in Zukunft sowohl wirtschaftlich als auch pastoral nachhaltig planen zu können, hat die Diözese das Projekt "Kirchliche Immobilien Strategie" (KIS) gestartet. Ziel des zweiphasigen Projektes ist es, von jedem Gebäude in den Pfarreien neuen Typs eine umfangreiche Dokumentation und später auf Basis der gesammelten Informationen ein zukunftsfähiges Gebäude- und Nutzungskonzept für die Pfarrei zu erstellen.

Baulicher Zustand wird erfasst

In der ersten Phase werden bei einer Ortsbegehung durch externe Fachleute der Immobilienbestand überprüft und wichtige Daten erfasst. Dazu gehören zum Beispiel das Baujahr, Denkmalschutzeigenschaften, die Bauweise und Größe des Gebäudes, die Art der Nutzung und Barrierefreiheit. Auch der bauliche Zustand des Gebäudes und die technische Ausstattung werden bewertet.

"Es geht aber nicht nur um die Erfassung der Gebäude, sondern auch um die Frage, wie die Gebäude genutzt werden", erklärt Peter Steinhauer, Leiter der Abteilung Controlling im Bischöflichen Ordinariat und Projektverantwortlicher. "Wir erheben für die Gemeinden Daten, die auch relevant sind für die Pastoral und Pfarreiarbeit: Welche Gebäude werden wann und durch wen genutzt? Wie ist die künftige Mitgliederentwicklung in einer Pfarrei? Wie viele Taufen und wie viele Austritte gibt es?", nennt Steinhauer einige Beispiele. Die Antworten spielen eine gewichtige Rolle, wenn es darum gehe, Nutzungskonzepte in einer Pfarrei neuen Typs zu entwickeln.

Über Reduktion des Gebäudebestandes nachdenken

Etwa 35 bis 40 Gebäude gibt es im Durchschnitt in jeder der bisher gegründeten 30 Pfarreien neuen Typs. "In den 60er oder 70er Jahren sind viele Pfarr- und Gemeindezentren gebaut worden", erklärt Steinhauer. Und die seien mittlerweile in die Jahre gekommen. "Wie gehen wir dann mit den Gebäuden um?" Hinzukomme, dass die Zahl der Gläubigen von knapp 900.000 auf heute rund 630.000 gesunken sei. In 15 Jahren werde es nur noch ca. 500.000 Katholiken im Bistum Limburg geben. "Die vorhandenen Flächen schon jetzt meist höher als das, was grundsätzlich benötigt wird." Zukünftig müsse auch über eine Reduktion des Gebäudebestandes nachgedacht werden.

Dass es bei der Instandhaltung um große Summen geht, zeigt sich bereits an den vier Pilotpfarreien, in denen bereits alle Gebäude erfasst worden sind. Die Pfarrei St. Bonifatius in Wirges entschied sich Anfang 2015, an dem Projekt teilzunehmen. "Mittlerweile ist dort die Phase eins, nämlich das Erfassen und Bewerten aller Gebäude, abgeschlossen", erklärt Verena Schäfer, Projektleiterin. "Die Vorstellung der Ergebnisse hat sehr deutlich zu einem ,Augen öffnen' geführt", erklärt die Projektleiterin. Schnell sei der Pfarrei klar geworden: So kann es nicht weitergehen. "Allein in der Pfarrei St. Bonifatius Wirges sprechen wir von mehreren Millionen Euro, die kurz-, mittel- und langfristig für den Erhalt der Gebäude aufgewendet werden müssten. Die Gemeinde hat sich deshalb entschieden, in die zweite Phase einzutreten", erklärt Schäfer. In dieser Phase soll die Pfarrei mit Unterstützung des Bistums ein Nutzungs- und Gebäudekonzept entwickeln, um auch in Zukunft die Pastoral zu sichern.

Bistum will mit Pfarreien Perspektiven entwickeln

In dem Prozess werden auch schwierige Fragen gestellt werden müssen. "Was passiert mit einem Gemeindezentrum, bei dem wir eine geringe Auslastung haben, aber einen hohen Instandhaltungsbedarf und am Kirchort keine weiteren Alternativen?", sagt Steinhauer. "Und was mit einem Sakralgebäude, bei dem wir einen hohen Instandhaltungsstau haben und aufgrund der Sparbeschlüsse aus dem Jahr 2007 keine Zuschüsse vom Bistum beantragt werden können?" Das Bistum wolle in den Pfarreien anregen, eine Priorisierung vorzunehmen und Perspektiven zu entwickeln, die zur jeweiligen Pfarrei neuen Typs passen.

Die Rückmeldungen aus den Pfarreien seien bisher positiv: "Es handelt sich um ein für die Pfarreien freiwilliges Projekt. Die Kirchengemeinden sind der Taktgeber", erklärt Schäfer. "Und es gibt keine Vorgaben des Bistums. Die Kirchengemeinde ist Eigentümer der Gebäude und nur die Kirchengemeinde kann entscheiden, was mit den Gebäuden passiert."

Dass das Bistum die Rückmeldungen aus den Pfarreien sehr ernst nehme, habe sich an den Pilotpfarreien gezeigt. "Wir haben unser Projekt in Wirges deutlich anders entwickelt, als wir ursprünglich geplant hatten", sagt Steinhauer. "Und wir sind auf dem richtigen Weg", sagt er. Die Teilnahme für die Pfarreien lohnt sich, glaubt auch Verena Schäfer. "Die Teilnahme - auch nur an der ersten Phase - bietet für die Gemeinden wichtige grundlegende Informationen, die sowohl aus wirtschaftlicher als auch pastoraler Sicht einen Mehrwert bieten." (clm)

Dieser Beitrag erschien in der Zeitschrift "Pfarrei neuen Typs - Aktuell". Die gesamte Ausgabe steht hier zum Download bereit.