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27.09.2017

"Ohne Ehrenamtliche geht es nicht"

Verwaltungsleitungen kommen bistumsweit

Mit denzehn Stellen erhalten Pfarreien Unterstützung in Verwaltungsfragen. Symbolbild: clm/Bistum Limburg.

Das Bistum Limburg geht in der Verwaltung der Pfarreien neue Wege. Das Modell einer hauptamtlichen Verwaltungsleitung wird in diesem Jahr bistumsweit umgesetzt. Um Pfarrer und Ehrenamtliche zu entlasten, werden zunächst zehn Stellen geschaffen. 

LIMBURG.- "Vieles läuft professioneller ab und die Vorgänge werden auch schneller bearbeitet", erklärt Thomas Friedrich zufrieden. "Mein Eindruck ist, dass wir das Ziel, Pfarrer und Ehrenamtliche zu entlasten, erreicht haben." Seit April 2016 ist der 53-jährige Betriebswirt als Verwaltungsleiter in der Pfarrei St. Peter und Paul im Kannenbäckerland tätig. Finanzen, Controlling, Personalverwaltung, Pfarrbüroleitung: Darum kümmert sich Friedrich vom Zentralen Pfarrbüro der Pfarrei aus. "Ich bin aber im Prinzip erster Ansprechpartner für vieles mehr, für Mängel, Reparaturen, Beschwerden oder Anregungen", erklärt Friedrich. "Die Aufgabenbereiche sind so umfangreich, dass eine Verwaltungsleitung auf Ehrenamtliche angewiesen ist." Deshalb gehe es auch künftig nicht ohne Ehrenamtliche.

In vier Pfarreien hat das Bistum Limburg das innovative Modell einer Verwaltungsleitung erprobt. Nach dem Pilotprojekt von April bis September 2016 wurde im Dezember entschieden, Verwaltungsleitungen bistumsweit einzusetzen. Zehn Stellen sind für dieses Jahr bereits bewilligt worden.

Drei von vier sehen Pilotprojekt als Erfolg

Den Ausschlag für diese Entscheidung hatte auch die positive Auswertung des Projektes gegeben. "Insgesamt 74 Prozent der interviewten Personen in den Pilotpfarreien sehen das Modell als Erfolg an", erklärt Achim Zenner, Projektleiter im Bischöflichen Ordinariat. 93,75 Prozent stimmen zu, dass der Pfarrer entlastet wird, sogar 100 Prozent sehen eine Entlastung ehrenamtlicher Verwaltungsräte. Dass Aufgaben schneller erledigt werden, meinen 87,5 Prozent. Die Auswertung benennt aber auch Baustellen: Bei der Definition der Schnittstellen der Verwaltungsleitung zu Pfarrer, Rentamt oder Kita-Koordinatoren sehen 67,7 Prozent Nachholbedarf. 86,6 Prozent der Befragten glauben außerdem, dass durch die Verwaltungsleitung keine neuen Ehrenamtlichen für die Pfarrei gewonnen werden. "Wir müssen auch weiterhin um die Ehrenamtlichen werben und deutlich machen, dass wir auf deren Einsatz nicht verzichten können", resümiert Zenner.

Pfarreien brauchen Kompetenz und Professionalität

Das ist auch Pfarrer Alfred Much aus Höhr-Grenzhausen ein Anliegen: "Wir brauchen Menschen, die verantwortungsvoll bestimmte Teilgebiete in der Verwaltung bearbeiten. Ehrenamtliche bereichern unser Gemeindeleben." Much ist aber auch davon überzeugt, dass das Projekt ein Schritt in die richtige Richtung ist: "Ein Verwaltungsleiter ist eine große Entlastung. Ich weiß jetzt, dass da jemand bei Verwaltungsfragen am Ball ist und bleibt", sagt Much. Den Pfarrern würde so eine schwer empfundene Last von den Schultern genommen. Sie müssten sich aber auf das Neue einlassen: "Für uns Pfarrer ist das eine Umstellung. Wir müssen lernen, Aufgaben auch zu delegieren." Das betreffe auch Aufgaben, die Pfarrer früher vielleicht selbst sehr gerne gemacht hätten. Dennoch: "Ich kann es nur empfehlen. Die großen Pfarreien brauchen Kompetenz, andere Abläufe und mehr Professionalität in diesem Bereich", sagt Much.

Generalisten gesucht

In den nächsten Monaten will die Projektleitung im Bischöflichen Ordinariat an offenen Fragen weiterarbeiten. Das Pilotprojekt habe deutlich gemacht, dass große Unterschiede von Pfarrei zu Pfarrei bestehen. Außerdem wurde eine Fülle von Aufgaben ausgemacht, die auf die Verwaltungsleitungen warten und künftig von ihnen erledigt werden sollen, nennt Zenner Beispiele. Läuft alles nach Plan können sich die Pfarreien ab März dann um einen Verwaltungsleiter bewerben. "Es ist wichtig, dass in den Pfarreien gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. Wir wollen mit dem Verfahren die Pfarreien auf die Veränderung vorbereiten und zugleich sicherstellen, dass die Verwaltungsleiter von Beginn an arbeiten könnten", erklärt Zenner.

Ehrenamt attraktiver machen

"Wir suchen Generalisten mit Erfahrung im Bereich der Verwaltung, im Finanzwesen und in der Personalführung", sagt Finanzdezernent Sobbeck mit Blick auf künftige Interessenten. Dass es ohne Ehrenamtliche nicht geht, unterstreicht auch Sobbeck: "Wir setzen auf das Ehrenamt und wollen unterstützen, nicht ersetzen." Das Aufgabenportfolio in der Verwaltung einer Pfarrei sei so groß, dass auf den Einsatz ehrenamtlicher Verwaltungsräte nicht verzichtet werden könne. Es sei jedoch immer schwerer, Frauen und Männer zu finden, die in diesem wichtigen Gremium Verantwortung übernehmen wollen. "Wir hoffen, dass die neuen Verwaltungsleitungen durch ihre Arbeit helfen, das Ehrenamt langfristig attraktiver zu machen", sagt der Finanzdezernent.

Ausgangspunkt für das Pilotprojekt "Hauptamtliche Verwaltungsleitung in den Pfarreien neuen Typs" waren die Rückmeldungen von Pfarrern und ehrenamtlichen Verwaltungsräten aus dem Pfarreiwerdungsprozess, dass es mehr Unterstützung vom Bischöflichen Ordinariat bei der Verwaltung der Pfarrei geben müsse. Von April bis September 2016 wurde das Pilotprojekt in vier Pfarreien erprobt: Sankt Martin Lahnstein, St. Peter und Paul im Kannenbäckerland Höhr-Grenzhausen, Dompfarrei St. Bartholomäus Frankfurt am Main sowie St. Franziskus und Klara im Usinger Land. Die Pfarreien waren so ausgewählt worden, dass ein möglichst breites Spektrum unterschiedlicher Gegebenheiten im Bistum abgedeckt werden.