Was ist die Pfarrei neuen Typs?

Unter einer Pfarrei neuen Typs versteht man eine kirchliche Pfarrei als vielfältiges Netzwerk mit verschiedenen Knotenpunkten (z.B. die Gemeinde am Ort, Kitas, Hospiz, Caritaseinrichtungen usw.). Profilierte Gemeinden und unterschiedliche Orte kirchlichen Lebens als Antwort auf veränderte und vielfältigere Lebensvollzüge der Menschen von heute - das ist die pastorale Idee dahinter. Mit dem Begriff ,Pfarrei neuen Typs' soll verdeutlicht werden, dass es bei der Gründung einer neuen Pfarrei nicht um eine Fusion im wirtschaftlichen Sinne geht. Die Pfarreien werden nicht zu einem großen Gebilde zusammengefasst, um Kosten zu sparen.

Warum Pfarreien neuen Typs?

Die Veränderung des kirchlichen Lebens ist für viele Menschen spürbar und wird an verschiedenen Faktoren deutlich: Die Zahl der Katholiken und der hauptamtlich Mitarbeitenden in der Seelsorge gehen zurück. Auch das ehrenamtliche Engagement verändert sich. Eine sich verändernde Lebensrealität macht eine Veränderung der Pastoral und der kirchlichen Strukturen notwendig.  

In den Pfarreien wird immer deutlicher, dass die bewährten Wege von Glaubensweitergabe und Gemeindebildung nur noch zum Teil tragen. So gelingt es zum Beispiel trotz großer Anstrengungen immer weniger, junge Menschen für den Glauben und das Leben in der Gemeinde zu begeistern. Die Pastoral steht angesichts dieser Situation vor der Aufgabe, Formen zu finden und zu erproben, die den Menschen von heute den Glauben neu anbieten.  

Zudem erleben die Menschen, dass der klassische Aufgabenkatalog (zum Beispiel Kommunion- und Firmvorbereitung) nicht mehr trägt und es zunehmend schwerer wird, Ehrenamtliche zu finden. Diese Pastoral aufrechtzuerhalten, bindet erhebliche Kräfte, die auf Dauer vermutlich schwinden werden. In einer Pfarrei, die sich als Netzwerk versteht, muss nicht mehr überall alles angeboten werden. Die Pfarrei und ihre Kirchorte können neu - und anders - wachsen, weil der Akzent viel stärker darauf liegen kann, welche Charismen (von Gottes Geist bewirkte Gaben) die Einzelnen mitbringen. Vom festen Aufgabenkatalog zu einer Orientierung an den Charismen zu kommen - darin liegt eine Chance, dass Kirche neu wachsen kann. Das Bistum setzt daher auch einen klaren Schwerpunkt bei der Begleitung von Prozessen lokaler Kirchenentwicklung.  

 

Was sagen die synodalen Gremien im Bistum Limburg?

In einem nachgeholten Beratungsgang 2015 hat der Diözesansynodalrat, das oberste Beratungsgremium im Bistum, empfohlen, dass die Neuordnung der Seelsorge im Bistum Limburg weiter fortgesetzt werden soll. Das synodale Gremium sieht die Notwendigkeit, auf die sich verändernden kirchlichen, gesellschaftlichen und demographischen Verhältnisse zu reagieren. Der Apostolische Administrator, Weihbischof Manfred Grothe, hat sich diese Empfehlung zu Eigen gemacht. Der Beschluss ist sinnvoll, da das Bistum derzeit noch über entsprechende finanzielle und personelle Ressourcen verfügt, um den Wandel anzugehen und aktiv zu gestalten.  

 

Wie ist eine Pfarrei neuen Typs strukturiert?  

In jeder Pfarrei neuen Typs arbeitet ein Pastoralteam, das mindestens aus einem Pfarrer, dem die Leitungsverantwortung zukommt, einem weiteren Priester sowie weiteren Ständigen Diakonen, Pastoral- oder Gemeindereferentinnen und -referenten besteht.   Auf der Basis der Zusammenarbeit im Pastoralteam leitet der Pfarrer die Pfarrei im Zusammenwirken mit dem Pfarrgemeinderat. Dieser wählt einen Verwaltungsrat, der mit dem Pfarrer als Vorsitzendem die Vermögensverwaltung übernimmt. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, für ortsbezogene Fragestellungen Ausschüsse zu gründen (Ortsausschüsse) und diverse Sachausschüsse, damit in den vielfältigen Fragen eine Vernetzung und Zusammenarbeit über die bisherigen Pfarreigrenzen stattfindet.  

Das Bistum unterstützt die Pfarreien und stellt ihnen auf Wunsch eine Kita-Koordination und einen Verwaltungsnavigator zur Seite.   

In der Pfarrei neuen Typs bildet das Zentrale Pfarrbüro die administrative Schaltzentrale. Es bleibt die erste Anlaufstelle für Menschen mit den unterschiedlichsten Anliegen.  

 

Wie läuft ein Pfarreiwerdungsprozess ab?

Der Erfahrung nach dauert der einzelne Pfarreiwerdungsprozess in einem Pastoralen Raum ca. 18 bis 24 Monate.  

Der Prozess beginnt mit dem Beschluss des Pastoralausschusses. Dabei wird auch der angezielte Errichtungstermin benannt. Zur Vorbereitung dieser wichtigen Entscheidung bietet das Bistum für den Pastoralausschuss einen Workshoptag an. Dann erfolgt im "Auftragsgespräch" zwischen Bistumsvertretern, dem Pastoralausschuss und den zugehörigen Pfarrgemeinde- und Vermögensverwaltungsräten die Klärung der Rollen und Verantwortlichkeiten der Beteiligten. In diesem Gespräch wird auch ein vom Bistum beauftragter Moderator  vorgestellt und die Auftaktveranstaltung vorbereitet.  

In der "Auftaktveranstaltung" startet der Pfarreiwerdungsprozess öffentlich. Mit möglichst großer Beteiligung Engagierter aus den Gemeinden wird ein Zeitplan festgelegt und eine Lenkungsgruppe sowie Projektgruppen zu wichtigen Themen des Pfarreiwerdungsprozesses gebildet, z.B. zu den Themen Verwaltung, Zentrales Pfarrbüro, KiTas, Gottesdienstordnung, Pastoral und Öffentlichkeitsarbeit. Diese Projektgruppen erarbeiten Beiträge für die "Gründungsvereinbarung", in der die Optionen für die neue Pfarrei zusammengetragen und unter den Herkunftspfarreien und mit der Bistumsleitung abgestimmt werden. Im Bischöflichen Ordinariat unterstützen viele Dezernate und Abteilungen aktiv und nachhaltig diesen Veränderungsprozess.  

Auf der Grundlage der Gründungsvereinbarung geben im Rahmen der von der Synodalordnung vorgesehenen Anhörung alle beteiligten Pfarrgemeinderäte und Verwaltungsräte ein abschließendes Votum ab. Es zeigt dem Bischof, wie viel Akzeptanz für die vorgesehene Gründung der neuen Pfarrei gegeben ist. Die Entscheidung liegt letztlich bei ihm. Zum Abschluss überreicht ein Vertreter der Bistumsleitung in einem festlichen Gründungsgottesdienst die Urkunden zur Pfarrgründung und zur Ernennung des Pfarrers.  

 

Wie viele Pfarreien neuen Typs gibt es?

Insgesamt gibt es im Bistum Limburg derzeit 34 Pfarreien neuen Typs. Zum 1. Januar 2017 sind vier Pfarreien neuen Typs gegründet worden. In den kommenden Jahren sollen weitere Pfarreien hinzukommen. Nach Abschluss der Neuordnung der Seelsorge soll es knapp 50 Pfarreien neuen Typs geben. Der Großteil wird zum 1.1.2020 errichtet sein, einige wenige Mitte der 2020er Jahre.